Von den Anfängen bis zur Gegenwart
mit einem Blick in die Zukunft
Referat von Anders Hansen
Vortrag anlässlich der neunten
Wiesenhof – Gestütsschau
Am 13. Oktober 1990
Die Svadastadir-Zucht ist die am weitesten verbreitete Linienzucht innerhalb des gesamten
isländischen Pferdebestandes und ihre Geschichte ist älter als die anderer Linien.
Die Anfänge dieser berühmten Zucht gehen zurück bis zum Jahre 1750. Damals zog der Bauer Björn Sigfusson nach Svadastadir im Skagafjördur. Der Hof ist bis zum heutigen Tage im Familienbesitz geblieben.
Zu Svadastadir gehört viel Land. Es zählt mindestens 1000 ha und eignet sich hervorragend
zur Pferdezucht. Wie auch andere Höfe des Skagafjödur besitzt Svadastadir das Recht,
eine große Anzahl Pferde den Sommer über im Hochland weiden zu lassen.
Von Svadastadir wir gesagt, dass es das beste Pferdeland der Insel besäße, und soweit die
Überlieferung reicht, weiß man, dass es auf Svadastadir immer Pferde gegeben hat. Heute
kann man nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob Björn Sigfusson, als er 1750 nach
Svadastadir zog, Pferde aus eigener Zucht mitgebracht hat, oder ob er eine bereits bestehende Zuchtgruppe übernahm. Man weiß aber mit ziemlicher Sicherheit, dass seit damals der Pferdebestand auf Svadastadir niemals komplett erneuert oder ausgetauscht wurde. Die Tradition der Svadastadir-Pferde besteht demzufolge schon mindestens seit 240 Jahren und ist somit ebenso alt wie die Geschichte der heutigen Bewohner des Hofes.
Die Bauern auf Svadastadir waren meist wohlhabend und setzten ihren Ehrgeiz daran, gute Pferde zu züchten und zu besitzen. Bereits um 1850 sind die Svadastadir-Pferde in ganz Island bekannt. Wenn es darum ging, einer hochgestellten Persönlichkeit ein wertvolles Geschenk zu machen, oder wenn ein Bauer ein besonders gutes Pferd benötigte um die eigene Zucht zu verbessern, kaufte man in Svadastadir.
In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurden sehr viele Schafe aus dem Ostland nach
England exportiert. Die Bauern erhielten ihre Bezahlung in Goldmünzen. Dies wussten die Züchter von Svadastadir sich zunutze zu machen. Einmal im Jahr ritten sie ins Ostland und trieben bis zu hundert Pferde mit sich. Dort verkauften sie die Pferde und erhielten dafür
englisches Gold. Dies und vieles andere führte dazu, dass sich ihr Reichtum mehrte und bis in unser Jahrhundert zählten die Bewohner von Svadastadir zu den wohlhabendsten Bauern Islands. Diese Tatsache erlaubte ihnen, die Pferdezucht einerseits als Erwerbsquelle und andererseits als Liebhaberei zu betreiben.
Um die Jahrhundertwende übernahm Palmi Simonason den Hof.
Palmi war begeisterter Züchter. Es gelang ihm, die Zucht wesentlich zu verbessern und den Svadastadir-Pferden zu noch größerer Beliebtheit zu verhelfen. Von entscheidender Bedeutung war auch Palmis Beschluss, als erster isländischer Bauer sein Land komplett einzuzäunen. Denn nun konnte er damit beginnen wirklich planmäßig zu züchten. Es erübrigt sich, die Probleme näher zu erläutern, die sich ergeben, wenn man nicht in der Lage ist, die Hengste innerhalb sicherer Umzäunungen bei ihren Stuten zu halten. Bis weit in dieses Jahrhundert war es noch vielerorts üblich, dass die Hengste mit ihren Stutenherden sommerlang frei im Gelände umherzogen, wie z.b. in der Hunavatnssysla und in einigen Gegenden des Skagafjördur. Niemand wusste dann genau, von wem die Fohlen des nächsten Jahres abstammten. Auch in dieser Beziehung unterschied sich die Pferdehaltung von Palmi Simonarson von der anderer Bauern.
Palmis Zucht baute auf dem bereits vorhandenen Bestand auf und einigen aus der Nachbarschaft hinzugekauften guten Stuten, die wiederum aus der Svadastadir-Linie stammten. Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurden einige Hengste auf Svadastadir eingesetzt, von denen sich besonders drei hervorgetan haben:
1. Sörli fra Svadastödum, Rappe, geb. 1908
2. Möllers – Brunn fra Svadastödum, Rappe, geb. 1912
3. Sörli 71 fra Svadastödum, Rappe, geb 1916
Diese drei Hengste, welche in direkter Linie voneinander abstammten (Sörli ist der Vater von
Möller-Brunn, dieser wieder um Vater von Sörli 71) begründeten die heutige, über die Landesgrenzen hinaus bekannte Zucht der Svadastadir-Linie.
Sörli 71 gilt heute als der Stammhengst dieser Linie.
Alle heutigen Svadastadir-Pferde haben Sörli 71 unter ihren Vorfahren und die meisten weisen seine charakteristischen Merkmale auf, die er so stark vererbte: guter Charakter, Schönheit und ausgezeichnete Gänge.
Von Sörli 71 stammen wiederum in direkter Linie weitere bemerkenswerte Hengste ab:
4. Lettir 137 fra Svadastödum, Rappe, geb. 1924
5. Sörli 168 fra Svadastödum, Rappe, geb. 1932
Alle diese Hengste gehören zu den wichtigsten Zuchtpferden in der Geschichte Islands.
Ihr Einfluss wird solange bestehen, wie Islandpferde gezüchtet werden, sei es in Ihrem
Ursprungsland oder anderswo.
Alle diese Hengste gehören zu den wichtigsten Zuchtpferden in der Geschichte Islands.
Ihr Einfluss wird solange bestehen, wie Islandpferde gezüchtet werden, sei es in Ihrem
Ursprungsland oder anderswo.
„Die Svadastadir-Pferde geben durch die ihnen gemeinsamen Eigenschaften die
Herkunft aus einer Linienzucht zu erkennen: das Exterieur ist kompakt und doch
elegant . Die Pferde sind bei gutem Charakter temperamentvoll bis feurig und haben
sehr gute Gangveranlagungen. Obwohl sie zu Beginn scheu sein können, sind sie
meist problemlos zuzureiten.
Nach meinem Erachtenist dies zur Zeit die beste Zuchtlinie des Skagafjördur.“
Theodor Arnbjörnsson verfolgte mit großem Interesse das züchterische Geschehen auf
Svadastadir, wo er sich oft als Gast einfand und Pferde begutachtete. Viele Nächte
Saßen sie zusammen, Tehodor und Palmi, und sprachen über Pferde und Pferdezucht.
Als Sörli 71 fra Svadastödum 1921 auf einer Zuchtschau vorgeführt wurde, erklärte
Theodor, dass er Sörli für den schönsten Hengst Islands halte. Sörlis Schwester, Tinna 147 fra Svadastödum fand nicht weniger seine Anerkennung, da sie ihrem Bruder sehrähnlich war. Theodor gab zu verstehen, dass die Verbreitung von Svadastadir-Pferden
im ganzen Land zur Zuchtverbesserung wünschenswert wäre. Die Bauern sollten sich an
diese Tiere halten, wenn sie vorhätten, Zuchtpferde zu erwerben. Der heutigen Verbreitung
dieser Pferde nach zu schließen, haben die Bauern seinen Rat befolgt.
Zuchtlinien des Svadastadir – Stammes
Svadastadir-Pferde wurden seit Beginn dieses Jahrhunderts im ganzen Skagafjödur gezüchtet,
insbesondere östlich des Flusses Heradsvötn, den den Skagafjödur der Länge nach teilt.
In diesem Gebiet finden sich viele bekannte Zuchthöfe, die in weitreichenderem Maße als
anderswo Svadastadir-Pferde züchten. Natürlich wird auch auf Svadastadir selbst weiterhin
mit den Pferden gezüchtet, die über viele Generationen aus der Zuchtgruppe von 1750
stammen. Auch alle Hengste, die auf diesem Hof je von Bedeutung waren, können auf den
alten Zuchtstamm zurückgeführt werden.
Seit der Zeit, als Palmi Simonarson um 1900 planmäßig zu züchten begann, hat sich die
Zucht weiterentwickelt und im gleichen Verhältnis verbessert wie die gesamte Pferdezucht
in Island.
Bis 1940 hat man insbesondere Gebrauchspferde gezüchtet. Sie wurden sowohl auf langen
Ritten, wie auch zur Arbeit eingesetzt. Nur wohlhabende Bauern und Liebhaber von Reitpferden konnten es sich leisten, Pferde zu besitzen, die in erster Linie reiterliches Vergnügen bieten sollten. Dies hat sich nun geändert und so auch die Pferde.
Die Svadastadir-Pferde von heute sind jedoch im großen und ganzen den Pferden ähnlich geblieben, die Theodor Arnbjörnsson im Jahre 1938 beschrieb.
Dies trifft besonders für die Kolkuos – und Kirkjubaer – Linie zu.
Im Laufe der Zeit haben sich aus dem Svadastadir-Stamm fünf Linien entwickelt.
Im Folgenden wird jede dieser Linien separat beschrieben.
Linien des Svadastadir – Stammes:
1. Kolkuos
Die Hauptverbindung zwischen dem Svadastadir-Stamm und der Kolkuos-Linie ist
Sörli 71 fra Svadastödum.
Sörli war der Vater von Hördur 112 fra Kolkuos, der seinerseits Stammhengst der Kolkuos-
Linie ist. Die Mutter von Hödur, die Spitzenstute Nanna 20 fra Efri – Asi im Hjaltadalur,
Skagafjödur, war ebenfalls ein Svadastadir-Pferd. Die Kolkuos-Linie des
Svadastadir-Stammes ist die Zucht, welche sich am wenigsten vermischt hat.
Heute kann man kaum mehr Svadastadir-Pferde züchten, ohne dabei Kolkuos-Pferde einzusetzen. In die Kolkuos-Zucht sind in geringem Maße Pferde aus anderen Linien des Svadastadir-Stammes eingekreuzt worden, insbesondere von Axlarhagi.
Mehr darüber später.
2. Axlarhagi
Die Anfänge dieser Zucht finden sich, als Fridrik Palmason von Svadastadir und sein Bruder
Jon nach dem Tode ihres Vaters im Jahre 1938 die Stuten des Hofes unter sich aufteilten.
Fridrik Palmason blieb weiterhin auf Svadastadir, Jon hingegen zog auf den nördlich von
Svadastadir gelegenen Hof Axlarhagi.
Stammstute der Axlarhagi-Linie wurde Hrefna 1421 fra Axlarhaga, eine Tochter von
Sörli 114 fra Nautabul und Brunka fra Svadastödum. Beide Eltern sind Nachkommen von
Sörli 71. Hrefna 1421 wurde zweimal mit dem, ihr nah verwandten Hengst Sörli 168 fra
Svadastödum angepaart. Aus dieser Verbindung stammen die Vollgeschwister Blesa und
Svaki fra Axlarhaga. Von diesen Geschwistern stammt wiederum der bekannte und zugleich
wichtigste Hengst der Axlarhagi-Linie, Godin 401 fra Axlarhaga (in Aettbok & Saga
angegeben als Godi 401 fra Saudarkroki),
Jon Palmason war kein langes Leben vergönnt, und seine Zucht wurde nicht planmäßig weiter Geführt. Man kann heute die Axlarhagi-Zucht nur beschränkt als Svadastadir-Zucht bezeichnen. Dennoch wird diesen Pferden jetzt wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Jons Sohn, Hreinn Jonsson, besitzt eine ansehnliche Zahl guter Stuten, welche auf die ursprüngliche Zuchtgruppe seines Vater zurückgeht. Für diese Stuten wurden u.a. die Hengste Feykir 962 fra Hafsteinsstödum und Leistur 960 fra Alftagerdi eingesetzt. Beide Hengste haben
Godi 401 als Vorfahren. Ebenfalls finden sich Pferde von Kolkuos in ihrem Stammbaum.
3. Hofsstadir
Blakkur 169 fra Hofsstödum ist der Stammvater der Hofsstadir-Linie. Er spielte aber
Ebenfalls eine wichtige Rolle für die Kolkuos- und die Kirkjubaer-Linie, wie wir weiter
unten noch erfahren werden. Blakkur 169 war ein Sohn von Lettir 137 fra Svadastödum und nebst seinem Bruder Sörli 168 war er der bekannteste Sohn Lettirs. Im Gegensatz zu
Axlarhagi besteht die Hofsstadir-Linie noch heute als spezielle Linie des Svadastadir-Stammes.
Ihre Verbreitung ist aber viel geringer, als die der Kilkuos- und Kirkjubaer-Linie. Der
bekannteste Hengst aus der Hofsstadir-Linie ist der Hengst Somi 670 fra Hofsstödum, ein
Sohn von Blesi und Depla fra Hofsstödum, welche beide Nachkommen von Blakkur 169
waren.
Blakkur 169 beeinflusste die isländische Pferdezucht jedoch weit mehr durch seine Nachkommen in Kirkjubaer und Kolkuos. Zwei der wichtigsten Stammhengste in Kirkjubaer, Svadi 352 und Randver 358 fra Svadastödum, sind seine Söhne. Blakkur 169 ist aber
auch der Großvater von Lettir fra Kolkuosi, welcher in der Zeit von 1948 bis 1964 die
Zucht stark geprägt hatte.
Obwohl Hofsstadir bekannt ist für seine Pferde, sind in der vergangenen Zeit keine bemerkenswerten Zuchtpferde aus dieser Linie in Erscheinung getreten. Seit einigen Jahren werden andere
Pferde in die Linie eingekreuzt. Dabei handelt es sich vor allem um Pferde aus Saudarkrokur,
der Linie, welche sich am weitesten von ihrem Ursprung entfernt hat. Es wird sich zeigen, ob der Versuch die Hofsstadir-Pferde verbessern kann, oder ob diese Linie des Svadastadir-Pferdes bald der Vergangenheit angehören wird.
4. Kirkjubaer
Der Hof Kirkjubaer wurde im Jahre 1950 gegründet mit der Absicht, sowohl Spitzenreitpferde zu züchten, als auch eine Farbzucht (Füchse mit Blesse) aufzubauen.
Nach einem alten isländischen Volksglauben, sind Füchse mit Blesse die besten Reitpferde. Dem Vernehmen nach ist in früheren Zeiten mancherorts speziell diese Farbe gezüchtet worden. Bekannt ist aus der ersten Zeit nach der Besiedelung, dass viele Bauern damals Farbzucht betrieben haben.
Die meisten Stuten, die 1950 für Kirkjubae erworben wurden stammten von Svadastadir und Hofsstadir. Als die wichtigsten Stammväter haben sich vier Hengste hervorgetan, von denen drei von Svadastadir waren und einer von Blönduos. Zwei dieser Hengste prägten die Zucht am nachhaltigsten: Randver 358 fra Svadastödum und Ljufur 353 fra Blönduosi. Alle heutigen Kirkjubaer-Pferde führen diese Namen in ihrem Stammbaum.
Das Zuchtziel des Gestütes Kirkjubaer ist nicht die Erhaltung der reinen Svadastadir-Pferde, sondern die Zucht von Spitzenpferden mit einer speziellen Farbe. Es war aber kaum zufällig, dass man sich weiterhin an den Svadastadir-Stamm hielt, wenn neue Hengste benötigt wurden.
In den vergangenen Jahren wurden Hengste wie Elgur 965 und Hola-Blesi fra Holum eingesetzt. Beide sind reine Svadastadir-Hengste und Söhne von Raudur 618 fra Kolkuosi. Erwähnenswert ist auch, dass Thattur 722 fra Kirkjubae in die Saudarkrokur-Linie eingekreuzt wurde. Ein aus dieser Generation stammender Hengst deckte wieder in Kirkjubaer.
Kirkjubaer besitzt heute ohne Zweifel eine der erfolgreichsten Zuchten Islands. Die Pferde zeichnen sich besonders aus durch ihre Eleganz, guten Charakter, hervorragende
Reiteigenschaften und nicht zuletzt durch ihre Farbe. Der Elitehengst Thattur 722 fra Kirkjubae ist der bisher prominenteste Hengst aus dieser Linie. Er hat die Kirkjubae-Linie und auch viele andere Zuchten nachhaltig beeinflusst.
In den vergangenen Jahren haben Pferde von Kirkjubaer oft im Mittelpunkt des Geschehens gestanden, sowohl auf Turnieren, als auch bei Körungen. Der bekannteste Kirkjubaer-Hengst der jüngsten Zeit, war zweifelsohne Ljori 1022, eine Mischung aus Kirkjubaer- und Kolkuos-Linie.
Ein neues Kapitel beginnt nun mit dem jungen Hengst Glumur, geboren 1987, Fuchs mit Blesse und heller Mähne. Er ist ein Sohn von Godi 1104 fra Saudarkroki, Islands Züchter warten gespannt, wie sich dieser junge Hengst entwickeln wird.
Sigrudur Haraldsson, Bauer auf Kirkjubae, ist der Ansicht, dass seit Thattur 722 kein besserer Hengst auf Kirkjubaer zur Welt gekommen ist.
5. Saudarkrokur
Die Saudarkrokur-Zucht ist die jüngste Linie des Svadastadir-Stammes. Sie beginnt mit der Zucht von Sveinn Gudmundsson, gegründet um 1950. Sveinn erwarb Godo 401 fra Axlarhaga, von dem viele der heutigen Pferde von Sveinn Gudmundsson abstammen. Noch bekannter als Godi ist die Stute Ragnars-Brunka 2719 fra Saudarkroki. Sie gilt als die eigentliche Stammmutter der Saudarkrokur-Pferde. Sörli 71 fra Svadastödum erscheint gleich dreimal als Vorfahre in ihrem Stammbaum.
Die Saudarkrokur-Zucht ist die jüngste Linie des Svadastadir-Stammes. Sie beginnt mit der Zucht von Sveinn Gudmundsson, gegründet um 1950. Sveinn erwarb Godo 401 fra Axlarhaga, von dem viele der heutigen Pferde von Sveinn Gudmundsson abstammen. Noch bekannter als Godi ist die Stute Ragnars-Brunka 2719 fra Saudarkroki. Sie gilt als die eigentliche Stammmutter der Saudarkrokur-Pferde. Sörli 71 fra Svadastödum erscheint gleich dreimal als Vorfahre in ihrem Stammbaum.
In den vergangenen Jahren sind viele Zuchtpferde von Saudarkrokur in Erscheinung getreten, und die Beschreibung jedes einzelnen Pferdes ist hier nicht möglich. Einige berühmte Namen mögen genügen:
Sörli 653, Blossi 800, Gustur 923, Hervar 963, Kjarval 1025, Otur 1050, Godi 1104, Gladur 1058, Stigandi 1087 und Lettir 1110 fra Saudarkroki.
Auch folgende Stutennamen sind hinlänglich bekannt:
Sida 2794, Hrafnkatla 3526, Hrafnhetta 3791, Hervör 4647 und Gnott 6000.
Die Saudarkrokur-Linie des Svadastadir-.Stammes hat in den letzten Jahrzehnten eine unglaublich große Zahl von erstklassigen Zuchtpferden hervorgebracht und ein Ende ist nicht abzusehen.
Das sind also die fünf Linien des Stammes Svadastadir. In Island ist es üblich, die Pferde ihren Geburtshöfen zuzuschreiben. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass in Island das Interesse an der Linienzucht wieder zugenommen hat. Dis stellt ein willkommenes Gegengewicht zum offiziellen Zuchtprogramm der Landwirtschaftskammer dar, welches als Zuchtziel die Vermischung alle Blutlinien anstrebt, wie auch immer die Herkunft der Pferde sein mag.
Islands „Zucht-Mafia“
Soweit man sich erinnern kann, haben die Pferde in Island Anlass zu Streitereien gegeben.
Bis zum heutigen Tage wird heftig über Pferdes diskutiert, und es ist schon vorgekommen, dass man die Fäuste sprechen ließ, wo Worte allein nicht ausreichten. Nur Pferde vermögen in Isländern derartige emotionelle Wallungen auszulösen. Den Leuten im Skagafjördur, denen die Pferdebegeisterung geradezu im Blut zu liegen scheint, wird sowohl im Spaß wie im Ernst nachgesagt, dass sie es widerspruchslos hinnehmen, wenn schlecht über ihren Ehepartner gesprochen wird.
Aber wehe dem, der sich auf dieselbe Weise über ihre Pferde äußert!
Seit dem erste Landsmot im Jahre 1950 haben Svadastadir-Pferde immer wieder im
Mittelpunkt des Geschehens gestanden. Auf allen größeren Schauen haben diese Pferde seither die vordersten Ränge belegt. Ihre Anhänger haben treu zu ihnen gehalten und sich nicht verunsichern lassen, wenn ihnen hin und wieder großes Unrecht zugefügt wurde. Der Höhepunkt an Ungerechtigkeit wurde auf dem Landmot 1966 erreicht, als der bekannte Hengst Hördur 591 fra Kolkuosi nur den zweiten Rang in der Kategorie Hengste mit Nachkommen belegte. Siegerhengst wurde der wenig bekannte Rodi 453 fra Skördugili, dessen Einfluss auf die Zucht heute kaum noch feststellbar ist.
Dieses Landsmot-Urteil hatte heftige Diskussionen zufolge, und die Zuchtrichter wurden hart kritisiert. Für Hödur 591 wurde es eine Art Ehrenrettung, dass er auf der
Landwirtschaftsausstellung 1968 in Reykjavik als bester Hengst prämiert wurde. Auf dem Landsmot 1970 wurde er in einer Sondervorführung mit 20 Nachkommen vorgestellt. Unter diesen Nachkommen befand sich manch bekannter Hengst, was ein Beweis dafür sein mag, mit welcher Durchschlagskraft Hördur seine Eigenschaften weitervererbte. Zu diesen Nachkommen gehörten so bekannte Hengste wie Hedinn 705 fra Vatnagerdi, Stigandi 625 fra Kolkuosi und Dreyri 621 fra Vatnsleysu.
Es schien aber keine Rolle zu spielen, wie gut sich diese Pferde präsentierten, oder wie sehr die Pferde von Kolkuos den Reitern im Lande gefielen. Die isländische Zuchtobrigkeit übersah geflissentlich diese Tatsachen. Kein Zuchtverband wollte Hödur 591 in der Zeit von 1966-1975 auf Station nehmen, obwohl er sich damals in den besten Jahren befand. Der Grund war ganz einfach der, dass die isländische Landwirtschaftskammer anderen Hengsten, bzw. ihren Besitzern Zugang zu dieser Einkommensquelle verschaffen wollte. Dieselbe Obrigkeit bewirkte auch, dass weder Hördur 591 noch sein Sohn Stigandi 625 fra Kolkusi auf dem Staatsgestüt Holar eingesetzt wurden. Dies ist umso erstaunlicher, weil das Gestüt dazu verpflichtet ist, Svadastadir-Pferde zu züchten, und diese Pferde zur damaligen Zeit die besten Zuchthengste der Linie waren. Aus irgendeinem Grunde schienen die Kolkuos-Pferde den Verantwortlichen der isländischen Zucht nicht ins Konzept zu passen. Daher ergab sich eine Diskrepanz zwischen den Turniererfolgen und den Körergebnissen der Zuchtpferde aus dieser Linie.
Es gibt viele Beispiele dafür, doch wird es hier genügen, eines näher zu erläutern:
Kristall fra Kolkuosi ist ein bekanntes Turnierpferd, das nebst vielen anderen Erfolgen bester Viergänger des Landmots 1986 wurde. Kristall hat eine exzellenten Trab, ebenso guten Tölt, verfügt aber auch über Rennpass und startete auf einem früheren Landsmot als Fünfgänger. Als er jedoch bei der Nachkommenkörung seiner Mutter Yngri – Mosa 3348 fra Kolkuosi den Zuchtrichtern vorgeführt wurde, erhielt der für die Reiteigenschaften die Note 8.01. Eine solche Note erhielt eines der besten Pferde des Landes! Snjall fra Gerdum dagegen, den Kristall auf dem Landsmot 1986 auf den zweiten Rang verwies erhielt für Reiteigenschaften die Note 8.23. Die Abstammung dieses Pferdes scheint die Richter mehr überzeugt zu haben.
In der isländischen Pferdezucht regiert eine Art Mafia. Sie fördert jene, die ihnen ins Konzept passen, aber alle anderen, die sich ihrer Macht nicht beugen wollen, werden rücksichtslos ins Abseits gedrängt. Das ist eine Tatsache, und unter diesem Vorzeichen müssen isländische Körnoten betrachtet werden.
Höhen und Tiefen der Linienzucht
Abgesehen von der parteiischen Haltung seitens der Zuchtrichter, liegt klar auf der Hand, dass die Erfolgslinie der verschiedenen Zuchten einem bewegten Wellengang gleicht. In der Pferdezucht ist es schwierig, an die Spitze zu gelangen. Noch schwieriger aber scheint es zu sein, sich dort über längere Zeit zu behaupten. Viele Züchter haben diese Erfahrung machen müssen. Betrachtet man nun nur die letzten zehn Jahre, zeigt es sich deutlich, dass auch berühmte Züchter Misserfolge hinnehmen müssen. Auf dem Vierteltreffen in Hella im Jahre 1981 zum Beispiel stammten die besten Zuchtpferde von Kirkjubaer. Die Töchter von Thattur 722 wurden hoch prämiert und die Kirkjubaer-Pferde eroberten die Herzen der Zuschauer. Ihr Siegeszug setzte sich auf dem Landsmot 1982 fort, als, um nur einiges zu erwähnen, Thattur 722 den Elitepreis für Nachkommen erhielt, und seine Tochter Thra fra Holum beste vierjährige Stute wurde. Im Landsmotjahr 1986 hatte sich die Situation aber deutlich geändert, denn abgesehen von dem Hengst Ljori 1022 gelang es keinem Kirkjubaer-Pferd die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Auch 1990 scheint sich die Zucht noch nicht wieder gefangen zu haben, denn dieses Landsmot wurde praktisch ohne die Teilnahme von Kirkjubaer-Pferden abgehalten. Es ist schwer abzuschätzen, ob sich die Kirkjubaer-Zucht in absehbarer Zeit wieder erholen wird. Vieles weist darauf hin, das es zum Gipfel weiter ist, als bis zum Talboden.
Auch die Sadarkrokur-Pferde haben in den vergangenen Jahren gute und weniger gute Zeiten erlebt. Wohl jeder, der das Geschehen in der isländischen Zucht verfolgt, kennt sowohl Sörli 653 fra Saudarkroki, welcher 1978 den Elitepreis für Nachkommen erhielt, als auch die bekannten Spitzenstuten Hrafnkatla und Hrafnhetta.
Von ihnen stammen die Stars des Landsmots 1986: Otur 1050 und Kjarval 1025 fra Saudarkroki. Seither glaubten viele, dass das Landsmot 1990 eine „Rekordernte“ für Sveinn Gudmundsson und seine Pferde werden würde. Dem war aber nicht so. Auch wenn der Hengst Hervar 963 und die Stute Hrafnkatla 3526 fra Saudarkroki den Elitepreis für Nachkommen erhielten, enttäuschte in diesem Jahr manches Pferd aus der Saudarkrokur-Linie. Viele junge Hengste wurden nicht angekört und manche junge Stute, obwohl von besten Eltern, erreichte nicht die erforderliche Mindestnote für die Teilnahme am Landsmot. Es ist offensichtlich, dass auch in der Saudarkrokur-Zucht eine strengere Auslese getroffen werden muss, denn sonst wird selbst diesen ausgezeichneten Pferden in den nächsten Jahren der Sieg nicht gewiss sein. Neue und überzeugende Zuchtpferde bräuchte es jetzt, die einerseits das Gebäude verbessern und andererseits die hervorragenden Reiteigenschaften der Saudarkrokur-Pferde bewahren.
Im Gegensatz zu den Saudarkrokur- und Kirkjubaer-Pferden gelang es den Pferden von Kolkuos nie, auf einer Landsmot-Körung die Spitze zu erreichen. Abgesehen von Hödur 591 sind weder Stuten noch Hengste je sehr hoch prämiert worden. Turnierpferde hingegen waren von Kolkuos sehr erfolgreich. Die Ursache lässt sich in der Zeit von 1965-1975 finden, als die Kolkuos-Zucht auf einem Höhepunkt stand, aber aus den erwähnten Gründen auf Ablehnung stieß. Dies führte dazu, dass viele Besitzer von Kolkuos-Pferden es vermieden, mit ihnen auf Körungen zu erscheinen.
Aus dem gleichen Grunde wurden auch weit mehr Zuchtpferde aus dieser Linie ins Ausland verkauft, als es bei den anderen Zuchten üblich war. Wichtige Hengste wurden exportiert, von denen man annehmen kann, dass sie in Island von größerem Nutzen gewesen wären als im Ausland. Unter diesen Hengsten befand sich Vördur 615 fra Kyrholti, Stigandi 625 fra Kolkuos, Hedinn 705 fra Vatnagerdi und Hrafn 737 fra Kröggolfsstödum. Nicht weniger bekannt sind heute ihre Nachkommen auf dem europäischen Festland, darunter die Hengste Deldjarn fra Langelandsgaarden, Hrannar fra Selfossi und Thor von Sporz. Der Export dieser Hengste war ein großer Verlust und die Kolkuos-Zucht hatte danach zunächst mit Schwierigkeiten zu kämpfen, auch wenn der Stammhengst selbst, Hördur 591 fra Kolkuos Island erhalten blieb. Der Verlust wichtiger Zuchtpferde einerseits und die Zwistigkeiten um Hördur 591 andererseits hatten zur Folge, dass rein gezogene Pferde aus dieser Linie auf keinem Landsmot 1974 bis 1990 erschienen. Pferde mit unterschiedlich hohem Blutanteil von Kolkuos waren hingegen sehr erfolgreich. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass sehr gute Ergebnisse erzielt wurden durch Kreuzung von Hördur 591 und Raudur 618 Nachkommen. Hördur und seine Söhne, wie z.b. Stigandi 625 wurden hauptsächlich auf Kolkuos eingesetzt. Raudur 618 hingegen wurde als Jährling verkauft und weder er noch einer seiner Nachkommen wurden je auf Kolkuos zur Zucht verwendet.
Raudur befand sich die längste Zeit im Besitz von Hallsor Sigurdsson auf Stokkholmur.
Von diesem Hof kamen jedes Jahr neue Spitzenpferde, Nachkommen von Raudur, die über lange Zeit auf Turnieren sehr erfolgreich waren.
Raudur 618 verfügt über einen ausgezeichneten Rennpass, und von ihm stammen bekanntlich viele gute Fünfgänger ab. Mancher mag sich daran erinnern, dass an den Europameisterschaften 1977 in Dänemark vier Raudur-Söhne teilnahmen, die alle von Stokkholmur stammten. Vermutlich wäre es vernünftig gewesen, Raudur 618 in Kolkuos einzusetzen und Stigandi 625 für die Töchter von Raudur zu verwenden. Die Erfahrung,
die man mit dieser Anpaarung gemacht hat, weist darauf hin, dass es sich hier um das Traumrezept für Züchter handeln könnte. Raudur vererbt alle Gänge, viel Temperament und eine starke Hinterhand. Stigandi dagegen ist bekannt für seinen langen und gut angesetzten Hals. Seine Nachkommen sind meist Viergänger. Aus den oben erwähnten Anpaarungen sind regelrechte Superpferde hervorgegangen. Ein Beispiel dafür ist die Spitzenstute Threnna fra Holum. Sie erhielt die höchste Körnote aller Zuchtpferde auf dem Landsmot 1990.
Ihr Großvater väterlicherseits ist Raudur 618, ihr Urgroßvater mütterlicherseits ist Stigandi 625 fra Kolkuosi. Eine ähnliche Abstammung besitzt die Stute Vissa fra Halsi.
Sie war das beste Zuchtpferd auf dem Vierteltreffen des Ostlandes 1989.
Dieser Zuchtmischung, d.h. der Verflechtung von Pferden aus Raudur 618 und Stigandi 625 wird zunehmend Beachtung Geschenkt. In den kommenden Jahren werden mehr und mehr Pferde mit diesem züchterischen Hintergrund in Erscheinung treten.
Die wichtigsten Hengste des Svadastadir-Stammes
Wie bereits erwähnt teilt sich der Svadastadir-Stamm in fünf Linien mit unterschiedlich starkem Svadastadir-Blutanteil. Die Kolkuos-Zucht hat sich, im Vergleich zu den anderern Linien am wenigsten vermischt. In der Zeit von 1920-1980 wurden praktisch alle Pferde der Kolkuos-Linie auf Kolkuos selbst gezüchtet.
Die wichtigsten Deckhengste auf Kolkuos waren reine Svadastadir-Pferde. In ganz seltenen Fällen und nur isoliert wurden andere Hengste eingesetzt. Dieser geringe Fremdeinfluss wurde aber später konsequent eliminiert. Die Kreuzungen wurden entweder verkauft oder geschlachtet. In Kolkuos hat sich daher ein sehr starker Zuchtkern gebildet. Die Pferde verfügen über ausgeprägte Eigenschaften, die überall bekannt sind, wo Islandpferde gezüchtet werden. Hördur 112 beeinflusste die Zucht nachhaltig in den ersten Jahrzehnten.
Später folgten sein Sohn Lettir, dessen Tochtersohn Hördur 591 und wiederum dessen Söhne. Besonders erwähnenswert sind die Hördur – Söhne Stigandi 625 und Funi fra Kolkuosi. Heute befinden sich diese beiden Hengste, welche einen nicht unbedeutenden Einfluss in Island hatten, auf dem europäischen Festland und werden von den dortigen Züchtern hoch geschätzt. Mit vielen Hengsten, deren Abstammung auf eine der Svadastadir-Linien zurückführt, wird heute in Island gezüchtet. Hengste von Axlarhagi, Kirkjubaer und Saudarkrokur haben meist gemischtes Erbgut und werden hier nicht weiter behandelt. Aus der Hofsstadir-Linie finden sich nur noch wenige Hengste. Die meisten und einflussreichsten Svadastadir-Hengste sind heute aus der Kolkuos-Linie, und die wichtigsten sollen hier vorgestellt werden. Sie kommen aus zwei nah verwandten Zuchtgruppen der Kolkuos-Linie mit den jeweiligen Stammhengsten Raudur 618 und Hördur 591. Beginnen wir mit den Hengsten von Raudur 618.
Feykir 961 fra Hafsteinsstödum
Es ist unumgänglich, den 1977 geborenen Feykir als ersten zu erwähnen. Sein Vater ist Raudur 618, seine Mutter Toppa 4960 fra Hafsteinsstödum, die väterlicherseits von Godi 401 fra Axlarhaga stammt. Feykir wurde auf dem Landsmot 1982 als fünfjähriger Hengst in Kl. 1 gekört und gehört zu den beliebtesten Hengsten Islands. Seit acht Jahren ist er im Besitz der beiden größten Zuchtvereine Islands (Südland und Skagafördur). Feykirs Nachkommen haben in den vergangenen Jahren auf Körungen und Turnieren ihre Qualität unter Beweis gestellt. Folgende Aufstellung gibt eine Vorstellung davon, welchen Zuchtwert dieser Hengst besitzt:
Vierteltreffen Nord 1987: Der Feykir-Sohn Hrammur 1069 fra Akureyri wurde bester vierjähriger Hengst.
Vierteltreffen Ost 1989: Die Feykir-Tochter Vissa fra Halsi wurde bestes Zuchtpferd.
Vissa stammt aus einer Kolkuos-Stute.
Landsmot 1990: Feykir 962 wird für seine Nachkommen in Klasse 1 gekört. In seiner Nachkommengruppe befanden sich drei Hengste, die in der Einzelbewertung die Kl. 1 erreichten:
Edall 1142 fra Holum, Gjafar 1078 fra Reykjavik und Lettir 1126 fra Flugumyri. Als Höhepunkt wurde die Feykir-Tochter Threnna fra Holum bestes Zuchtpferd des Landsmots.
Damit kann wohl gesagt werden, dass Feykir 962 seine Qualität entgültig unter Beweis gestellt hat. Auch auf einem großen Turnier im Skagafjördur im August 1990 siegte ein Feykir-Sohn bei den Fünfgängern, und eine Feykir-Tochter wurde bester Viergänger.
Von Feykir gibt es inzwischen im ganzen Lande viele angekörte Hengste und Stuten. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Hengst zu den besten des Landes gehört und zur Zeit das erfolgreichste Zuchtpferd aus dem Svadastadir-Stamm ist.
Elgur 965 fra Holum
ist ebenfalls ein Sohn von Raudur 618. Obwohl auch er über viel Qualität verfügt, steht er Feykir um einiges nach. Das gilt auch für den Raudur-Sohn Hola-Blesi fra Holum.
Von ihm stammt aber immerhin der bekannte Ljori 1022 fra Kirkjubae, der im Sommer 1989 im besten Alter starb. Ljori war einer der Brilliantesten Hengste Island und ein würdiger Vertreter der beiden Svadastadir-Linien Kolkuos und Kirkjubaer.
Auch mit weniger bekannten Söhnen von Raudur 618 wurde gezüchtet, u.a. Greifi, Svadi, Baron und Kakali fra Stokkhoma. Keiner dieser Hengste ist aber je auf einer Körung erschienen. Obwohl von Stokkholma viele bekannte Turnierpferde kamen, zeigte der Hofbesitzer wenig Interesse, seine Hengste und Stuten den Zuchtrichtern vorzuführen. Umso bemerkenswerter ist es daher, wie stark Raudurs Einfluss auf die heutige Zucht geblieben ist. Nach dem Tod von Ljori 1022 steht Feykir heute an der Spitze der Raudur-Nachkommen.
Die Nachzucht von Hördur 591
24 Hengste von Hördur sind in Island angekört worden. Die Zahl der zur Zucht verwendeten Hördur-Söhne ist jedoch noch weit größer.
Der zur Zeit bekannteste und zugleich umstrittenste Sohn von Hördur ist Sokki 1060 fra Kolkuosi.
Er ist ein Inzuchtprodukt der Kolkuos-Linie. Seine Mutter ist eine Tochter des Hördur-Sohnes Stigandi 625. Er ist ein Inzuchtprodukt der Kolkuos-Linie. Seine Mutter ist eine Tochter des Hördur-Sohnes Stigandi 625.
Sokki besticht durch Schönheit. Die Gangveranlagung scheint er von seiner Mutter geerbt zu haben, da er vor allem Viergänger ist. Sokki wurde 1989 in Kl. 1 gekört und im selben Jahr von „Samstada“, einer Vereinigung von Züchtern des Svadastadir-Pferdes erworben. Sokki deckt nun im ganzen Lande in den Herden der „Samstada“-Mitglieder. In den Jahren 1989 und 1990 sind ihm um die 200 Stuten zugeführt worden, und es wird sich bald herausgestellt haben, wie hoch der Zuchtwert des Hengstes ist. Die Nachkommen von Sokki scheinen das ungewöhnliche schöne Exterieur ihres Vaters zu erben.
Der Verein „Samstada“ setzte ebenfalls den Hengst Födull 1053 fra Akureri ein, der auf dem Landsmot 1986 in Kl. 1 gekört wurde. Rödull hat eine besonders gute
Kolkuos-Abstammung. Väterlicherseits ist er ein Enkel von Hördur 591 und Sohn einer Stigandi 625-Tochter.
Sein Vater ist Kristall fra Kolkuosi, der landesbekannte Gaedingur und beste Viergänger des Landsmots 1986. Umso bemerkenswerter ist es, dass er auch als Fünfgänger auf Turnieren erfolgreich war. Rödull ist ein auffallend schöner und talentierter Hengst, der heute in ganz Island zur Zucht von Svadastadir-Pferden eingesetzt wird.
Leistur 960 fra Alftagerdi
stammt ebenfalls aus der Nachzucht von Hördur 591. Sein Erbgut ist zwar etwas gemischt, seine Mutter aber ist eine Hördur-Tochter und väterlicherseits findet sich Godi 401 fra Axlarhaga, ähnlich wie bei Feykir 961 fra Hafsteinsstödum. Leistur ist in vieler Beziehung ein typisches Kolkuos-Pferd. Er ist sehr schön, hat ausgesprochen viel Langhaar und eine besonders gute Aufrichtung. Weiter fällt auf, wie federnd und geschmeidig seine Gänge sind. Mit Sicherheit könnte Leistur mehr Geschmeidigkeit in die Kolkuos-Zuchten einbringen. Leistur gehört dem Zuchtverband Südland und ist bei den Züchtern sehr beliebt.
Auf dem Landsmot 1982 siegte er in der Gruppe „Sechsjährige und ältere Hengste“ und erhielt die höchste Note aller Einzelhengste.
Besonders zu erwähnen ist, dass er sowohl für Gebäude als auch für Reiteigenschaften sehr gut bewertet wurde. Diese Noten sind selbst bei hochprämierten Zuchtpferden häufig ungleich.
Sofern nur Pferde einbezogen werden, die 60 % und mehr Svadastadir-Blut führen, sind Feykir 962, Sokki 1060, Rödull 1052 und Leistur 960 zur Zeit die wichtigsten Hengste des Svadastadir-Stammes. In diesen Pferden werden die besten und wünschenswertesten
Eigenschaften der Svadastadir-Zucht bewahrt. Eigenschaften, die sie zur einflussreichsten und anerkanntesten Linienzucht gemacht hat.
Diese Hengste werden die nächsten Generationen der Svadastadir-Pferde deutlich prägen. Aber auch viele andere Hengste aus diesem Stamm werden ihren Einfluss geltend machen. Hier sollen nur einige Erwähnung finden:
Bylur 892 fra Kolkuosi
ist einer der wenigen Hengste, die als Viergänger eine Kl. 1-Körung erreichten. Bylur ist ein Sohn von Stigandi 625, möglicherweise ein Vollbruder des Thor von Sporz. Er verfügt sicherlich über einen nicht weniger guten Tölt als Thor.
Bylur steht bei den Züchtern von Svadastadir –Pferden recht gut im Kurs. Leider sind ihm bisher viel zu wenig gute Stuten aus seiner Linie zugeführt worden.
Iskristall 1049 fra Kolkuosi
Er ist ein Sohn von Hördur 591. Seine Mutter aber stammt aus der Schimmel-Linie von Kolkuos, welche sich bis auf die berühmte Stammmutter der Svadastadir-Pferde, die Schimmelstute Hola-Grana fra Svadastödum, zurückführen lässt. Iskristall ist ein begabter Fünfgänger und seinem Vater Hördur sehr ähnlich, abgesehen von seiner Farbe natürlich, denn er ist schneeweiß.
Die Zucht von Svadastadir-Pferden genießt in Island wachsendes Ansehen. Auch wenn sich das Interesse besonders auf die Saudarkrokur-Linie konzentriert, scheinen auch die Kolkuos-Pferde wieder mehr Beachtung zu finden.
Viele Züchter haben heute Hunderte von Stuten aus dieser Linie im Einsatz und in absehbarer Zeit werden Pferde aus diesen Linien in Konkurrenz treten zu den Saudarkrokur-Pferden, sowie den Produkten planloser Mischzucht, wie sie mit Hrafn 802 fra Holtsmula und anderen Hengsten betrieben wird. Die erstarkte Position des Kolkuos-Pferdes wird sich auch auf dem Vierteltreffen im Südland 1991 bereits ankündigen. Aber noch weit überzeugender wird diese Linienzucht ihre Qualitäten auf dem Landsmot 1994 unter Beweis stellen.
Hier soll die Voraussage gewagt werden, dass das Landsmot 1994 das Siegesjahr der Kolkuos-Pferde aus dem Svadastadir-Stamm werden wird.
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Übertragen aus dem Isländischen von Mariette Maisse
Die unterschiedlichen Schreibweisen der Hofnamen ergeben sich aus der im isländischen üblichen Deklination von Namen:
Nominativ: Svadastadir / Kolkuos / Saudarkrokur / Kirkjubaer
Dativ: Svadastödum / Kolkuosi / Saudarkroki / Kirkjubae